Die Geschichte des Tang Lang Kung Fu ist schwer zu verfolgen und verliert sich in
den Wirren der Zeit, vor allem in denen des Boxeraufstandes (1900 n. Chr.). Die Zeitangaben der verschiedenen
Schulen sind alle mündlich überliefert und deshalb sehr widersprüchlich. Bei
genauer Untersuchung kann man ein wages Bild dessen entwerfen, wie der Stil seinen Anfang genommen hat. Die
Legende sagt, der Tang Lang Stil sei ca. 300 - 350 Jahre alt.
Danach soll ein junger Mönch namens Wang Lang (übersetzt bedeutet der
Name "Ehrwürdiger König", es ist also anzunehmen, dass es sich dabei um einen Titel
handelt) in dem buddhistischen Kloster Shao Lin, am Fuße des Song Shan
Gebirges in der Provinz Henan, dem Studium der Kampfkünste nachgegangen sein.
Wang Lang war ein Patriot, der gegen die ausländische Regierung der
Qin Dynastie kämpfte und später eine Rebellenarmee anführte.
Er soll äußerst ehrgeizig gewesen sein und schon nach
kurzer Zeit alle seine Kung Fu-Brüder im Kampf besiegt haben.
Nur bei einem seiner Brüder - einige Schriften sagen es war der Abt des Klosters - habe er immer wieder
verloren.
So trainierte Wang Lang immer mehr, um nach dem Ende einer jeden Trainingsphase
feststellen zu müssen, dass er seinem Gegner noch immer nicht gewachsen war.
Wahrscheinlich ist, dass er auf eine bestimmten Technikfolge des Tong Bei-Stils, den sein Kung
Fu-Bruder praktizierte, immer wieder hereinfiel und schließlich
unterlag.
Er forschte lange, ob eine der gelernten Techniken in der Lage sein könnte, dieser Kampftechniken zu begegnen, doch in den alten Kampfkünsten des Klosters fand er keine befriedigende Antwort. So trat er immer häufiger gegen seinen Bruder an, in der Hoffnung den schwachen Punkt des Stils zu finden und ihn schlagen zu können.
Eines Nachmittages im Herbst, als er wieder einmal geschlagen worden war, sank er völlig erschöpft in das Gras vor dem Kloster nieder und schlief ein. Als er erwachte, beobachtete er eine Zikade, die in der Nähe ihr Lied zirpte. Ohne sich zu bewegen beobachtete er weiter, wie sich eine Gottesanbeterin dieser Zikade näherte. Da die Gottesanbeterin wesentlich kleiner war, sah es so aus, als würde es zu einem sehr ungleichen Kampf kommen, bei dem der Angriff der Gottesanbeterin einem verzweifeltem Selbstmord glich.
Wang Lang war nicht minder überrascht, als die Gottesanbeterin diesen Angriff nicht nur überlebte, sondern der Zikade nicht die geringste Chance ließ. Die irrsinnig schnellen Schlag-, und Fangtechniken der Gottesanbeterin wirkten wie ein Schock auf die Zikade. Der breite Stand gab dem leichteren Tier eine solide Basis, um dem größeren Gewicht des Gegners begegnen zu können. In kürzester Zeit war der Gegner besiegt und verspeist. Wang Lang war so fasziniert von der kleinen Gottesanbeterin, dass er sie einfing und mitnahm.
Lange Zeit studierte er ihr Kampfverhalten gegen unterschiedliche Gegner und
trainierte des nachts heimlich die daraus entwickelten Kung Fu Techniken.
Nach einiger Zeit stellte er sich erneut seinem Kung Fu-Bruder und - wie soll es
anders sein - war siegreich. Sein Kung Fu-Bruder war natürlich nicht nur
schockiert, sondern auch völlig begeistert von den neuen Techniken, die ihn
besiegt hatten. Allerdings war die Beintechnik seiner Meinung nach noch nicht
ausgefeilt genug. So überlegte er mit Wang Lang und kam zu dem Schluss, dass die
Affenfußtechnik den Stil wohl perfektionieren würde.
So ist der Stil des Tang Lang eine Zusammensetzung aus sehr vielen verschiedenen Stilarten, da man davon ausgehen kann, dass Wang Lang die besten Techniken jeder Stilart, die er im Shao Lin Kloster gelernt hat, mit in den Stil einfließen ließ.
Die Geschichte erleidet danach einen Bruch. In der Gegend um das Shao Lin Kloster findet man kaum noch
Tang Lang-Vertreter, vielmehr ist die Provinz Shandong, die viel weiter nordöstlich liegt,
als Heimat des Stils bekannt.
Wie kommt der Stil soweit nach Nordosten, ohne an seinem Ursprungsort nennenswerte Spuren zu
hinterlassen?
Die Überlieferungen darüber sind alles andere als klar. Eine Theorie sagt, dass Wang
Lang nach der Entwicklung des Stils fortgegangen ist und in der Provinz Shandong eine
Widerstandsarmee aufgebaut hat. Nachdem diese Armee durch Verrat besiegt worden
war, zog sich Wang Lang in die Berge des Lao Shan zurück, lebte in
Abgeschiedenheit und unterrichtete nur wenige Schüler. Um von den
staatlichen Suchtrupps nicht erkannt zu werden, zerschnitt er sich selbst sein ganzes Gesicht.
Eine andere Theorie hängt mit einer relativ jungen Vergangenheit zusammen,
nämlich dem Boxeraufstand. Nachdem die Boxer besiegt, und der Geheimbund der
weißen Rose zerschlagen worden war, wurden die Kung Fu-Meister im ganzen
Land verfolgt und viele mussten ihre Heimat verlassen und einen anderen Namen annehmen.
Es ist genau diese Zeit, in der die geschichtlichen Unklarheiten beginnen. Nach der
Generationsfolge, die in vielen Schulen überliefert ist, und anhand alter Fotos und Dokumente kann man die dritte Generation ohne große Schwierigkeiten nachweisen. Diese dritte
Generation trifft aber zeitlich genau mit dem Boxeraufstand zusammen. Wir haben also für
fünf Generationen einen sicheren Zeitraum von ca. 90 - 110 Jahren.
Für die übrigen Generationen, also zwei bis drei, dann noch 200 - 250 Jahre.
Wenn man also von der normalen Generationsdauer in diesem Jahrhundert ausgeht (die beträgt im
Tang Lang Stil maximal 20 Jahre), dürfte der Tang Lang-Stil nicht
älter als 100 bis 180 Jahre alt sein.

